Klassiker

Klassiker sind Bücher, die sich über einen langen Zeitraum generationsübergreifend als Lieblingsbücher von Kindern und Jugendlichen durchgesetzt haben – oft gegen den Willen von Eltern oder von Literaturkritikern. Dazu gehört auch Erwachsenen-Literatur, die sich in einer Bearbeitung für jüngere Leser und Leserinnen durchgesetzt hat. Klassiker vermitteln sowohl zeitlose menschliche Probleme als auch die Umstände in anderen Zeiten und anderen Ländern.

Nacherzählungen

Manche Klassiker sind für die heutige Generation (vielleicht nicht nur für die heutige, sondern schon immer?) schlicht zu langatmig. Es geht dabei nicht um die Länge des Textes. Die gigantische Seitenzahl von Harry Potter war kein Problem. Es geht mehr um die epische Breite, die ausführliche Schilderung von Details, die mit der Handlung wenig zu tun haben – und es geht auch um die Art der aktuellen Adaption der Medien. Viele Zeitbezüge sagen uns heute nichts mehr. Eine Kürzung der Klassiker erfordert die Bearbeitung des Resttextes und damit eigentlich einer Verstümmelung des Textes – dann doch lieber gleich nacherzählen. Im Übrigen sind viele Klassiker selbst bereits Nacherzählungen.

Buch und Hörbuch

Das Selbst-Lesen, das Vorlesen, die freie Nacherzählung – alles ist gut und richtig. Die Klassiker erscheinen als Buch und als Hörbuch. So sind Sie frei in der Wahl der Methode: Lesen, Hören und Vorlesen. Das Hörbuch ist keinesfalls ein „Ersatz" für das Lesen. Die eigentliche Adaption von Literatur ist oft nicht das Lesen, sondern das Hören. Es war in früheren Zeiten selbstverständlich, dass man sich gegenseitig vorgelesen hat: „Die geschriebene Sprache ist nur ein trauriges Surrogat der gesprochenen Sprache" (Goethe) und Lessing meinte, dass seine Werke erst gesprochen ihre Vollständigkeit erhalten. Die Redekultur der Antike war natürlich auch eine Hörkultur. Kurz gesagt – das Hörbuch ist eine eigenständige Form der Literaturvermittlung.

 

Zum Thema "Nacherzählungen noch folgender kurzer Beitrag von Fr. Dr. Lexe

 Das heutige Interesse an den Kinder- und Jugendbuchklassikern liegt weniger in den Originalausgaben, sondern in bearbeiteten Ausgaben, die einen eigenen Weg der Werkinterpretation suchen. Dabei ist es wichtig, das Verhältnis zum Original, seiner Sprache, Stimmung und Motivik nicht aus dem Auge zu verlieren.

Klassiker für Kinder zu bearbeiten oder nachzuerzählen heißt, die linguistischen Fähigkeiten der angesprochenen Leser und Leserinnen in Sprache und Stil zu berücksichtigten. Nicht die „Kindergemäßheit" von Stoffen und Themen ist es, die zur Diskussion stehen sollte, sondern die Literarizität deren am kindlichen Rezipienten orientierten Aufbereitung: Das Erzählte muss dem kindlichen Erfahrungshorizont entsprechen und diesen in seiner Tonlage wiedergeben. Es soll Zusammenhänge klarmachen und doch nicht unterfordern, gilt es doch auch gleichzeitig, die Intention des Originals sprachlich widerzuspiegeln.

Dr. Heidi Lexe, Leiterin der STUBE und Autorin des Buches „Pippi Pan und Potter. Verweigerung als zentrales Motiv in den Klassikern der Kinderliteratur"